Was ist Fränkische Baukultur?
Warum ist sie für unsere Dörfer wichtig und wertvoll?

 

Fränkisches Bauen gibt Identität und Wohlbefinden

 

Der Baukultur-Fachabend in der Festscheune Oberwerrn kam gut an

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Architekt Joachim Perleth

Homestagerin Maria-Theresia Grauf

 

Lesen Sie hier einen Rückblick zur Veranstaltung:

Etwa 70 Besucher waren der gemeinsamen Einladung gefolgt. Dass Baukultur kein trockenes, sondern vielmehr ein emotionales Thema ist, merkten die Besucher bereits beim Eintreten: Homestagerin Maria-Theresia Graf hatte verschiedene Sitzgruppen und moderne Dekorationen gruppiert, die im Zusammenspiel mit dem historischen Ambiente der Festscheune einen Spannungsbogen aufbauten.

1. Bürgermeisterin der Gemeinde Niederwerrn und Gastgeberin, Bettina Bärmann, begrüßte die zahlreichen Besucher und verdeutlichte in ihren einleitenden Worte die Schwierigkeit, in der sich die gemeindlichen Gremien immer häufiger befinden: „Die Krux ist die häufig unterschiedlichen Interessen des Bauherrn, des Planers und der Gemeinde auf einen Nenner zu bringen.“ Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Interkommunale Allianz Oberes Werntal mit den Thema Innenentwicklung und Baukultur. „Baukultur ist nichts Abstraktes, sondern konkret erfahrbar und dazu werden wir heute einiges erfahren“ freute sich Bärmann.

Auch Landrat Florian Töpper appellierte an diesem Abend für eine gelebte und gepflegte Kultur des Bauens im Landkreis Schweinfurt, dann könne sie zu einem wichtigen Standortfaktor für das Schweinfurter Land werden. „Baukultur ist ein immanenter Faktor unseres landkreisweiten Innenentwicklungskonzepts“, so Landrat Töpper. „Ich bin davon überzeugt, dass Innenentwicklung nur dann einen nachhaltigen Erfolg erzielen wird, wenn sie mit der regionalen Baukultur im Einklang steht.“

Anhand zahlreicher guter Sanierungs-, Umbau- und Neubaubeispiele verdeutlichte Architekt Joachim Perleth die Grundprinzipien des regionalen Baustils. Er zeigte die vielfältigen Umsetzungsmöglichkeiten mit alter Bausubstanz im Ortskern auf und sorgte mit Vorher-Nachher-Bildern immer wieder für staunende „Aha“-Erlebnisse bei den Zuhörern. Die Sanierung und Umnutzung bestehender Bausubstanz steht für ihn immer vor dem Abriss, denn mit jedem Abriss im Ortskern geht ein Stück der eigenen Identität verloren. Gerade in neuen Nutzungsformen von Nebengebäuden stecke großes Potenzial, so der Architekt. Werden diese einer neuen Funktion zugeführt, entsteht räumliche Qualität, die mit einer neuen Wertigkeit und Ausstrahlung einhergeht.

Perleth sensibilisierte dafür, welchen Einfluss das bauliche Tun des Einzelnen auf das Dorf hat:„Jeder, der an seinem Anwesen bauliche Veränderungen vornimmt, gestaltet nicht nur sein Eigentum, sondern das gesamte Ortsbild. Jedes Haus, jeder Straßen- und Platzraum, jeder Zaun trägt zum Gesamteindruck eines Ortes bei.“

Als wichtigen Motor der Innenentwicklung zählt Perleth die zahlreichen finanziellen Anreize und appellierte an die Zuhörer, diese verstärkt zu nutzen. Gerade die Kombination von Fördermitteln der Dorferneuerung bzw. Städtebauförderung, der Kommune sowie steuerlichen Erleichterungen durch die Ausweisung von städtebaulichen Sanierungsgebieten habe sich in der Praxis bewährt. Architekt Perleth machte Mut für einen selbstbewussteren Umgang mit der regionalen Bautradition. „Das italienische Baurecht ist sicherlich nicht so streng wie das deutsche. Und dennoch: Niemand käme in der Toskana auf die Idee, den Baustil eines beliebten Urlaubslandes am Heimatort zu kopieren“, so Architekt Joachim Perleth.

Seine Überzeugung: „Gelebte Baukultur kann ein wichtiges Instrument gegen Überalterung und Abwanderung auf dem Land werden.“

Homestagerin Maria-Theresia Graf machte sich in ihrem Vortrag auf die Suche nach den Wurzeln des Wohlbefindens. Dabei lag ihr Fokus auf der Gestaltung der eigenen vier Wände und des unmittelbaren Umfelds. Sie versäumte es dabei nicht, immer wieder eine Brücke zum Dorf als Ganzes zu schlagen. So wurde kurzerhand aus der kritischen Betrachtung der Diele eine „Flur-be-reinigung“. „Für den ersten Eindruck“, so Graf, „gibt es keine zweite Chance. So ist die Dorfeinfahrt genauso wie die Diele unsere Visitenkarte.“

Graf appellierte an die Zuhörer und Gemeindevertreter sowohl im Dorf als auch im eigenen Haus Ruhepole, Orte zum Verweilen und Umschauen zu schaffen. Eine Wohlfühlatmosphäre schaffte Graf auch an diesem Abend am Veranstaltungsort selbst. Auf die Besucher warteten sowohl im Außen- als auch im Innenbereich der Festscheune verschieden dekorierte Stationen, die eines deutlich machten: Insbesondere die Kombination aus etwas Altem, Neuem und Gebrauchtem wirkt ansprechend und interessant.

Graf ist davon überzeugt „der Mensch wird geprägt von seinem sozialen und räumlichen Umfeld.“

„Sie haben uns beide mit Ihre Vorträgen dazu animiert, unsere Umfeld zukünftig genauer anzuschauen“, dankte der Sprecher der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal und 1. Bürgermeister der Gemeinde Euerbach Arthur Arnold den beiden Referenten und fühlte sich im eingeschlagenen Weg der Interkommunalen Allianz „Innen vor Außen“ bestärkt. Die angeregte Abschlussdiskussion mit den Besuchern machte deutlich, regionale Baukultur ist nicht „out“, sondern vielmehr immer wichtiger, um die eigene Identität zu erkennen. Baukultur ist ein wichtiger lokaler Gegenpol für eine sich immer rascher ändernde Umwelt im Zuge der Globalsierung.



Vortrag zum Thema „Baukultur“ im Rahmen des Modellprojektes Bauhütte Obbach
14.09.2017
Unter diesem Link können Sie den Vortrag herunterladen (PDF)